Mir viel dieser Artikel wieder ein den ich schon mal bei meiner Schwester im Blog gelesen hatte. Da ging es um ein altes Ehepaar, daß immer und überall das Wort Shmily geschrieben und dann gegenseitig versteckt hatte damit es der andere findet. Dieses Wort hatte für die beiden eine ganz besondere Bedeutung.
Ich hab sie gefragt, ob sie den Artikel noch hat und sie hat mir netterweise den Link geschickt.Weil ich aber keinen Link hier bloggen möchte, blogge ich euch den Artikel…
Meine Großeltern waren seit über einem halben Jahrhundert verheiratet und spielten, seitdem sie einander kennen gelernt hatten, ihr eigenes, ganz besonderes Spiel zusammen. Es bestand darin, das Wort ‘Shmily’ an einen unbekannten Ort zu schreiben, den der andere finden musste. Abwechselnd verteilten sie ihr ‘Shmily’ im ganzen Haus, und sobald einer es entdeckt hatte, musste er es für den anderen erneut verstecken.
Sie schrieben ‘Shmily’ mit den Fingern ins Mehl und in den Zucker und warteten gespannt auf die Zubereitung der nächsten Mahlzeit. Sie malten es auf die mit Raureif bedeckten Fenster, die zum Innenhof lagen, in dem uns meine Großmutter immer mit warmem, selbst gemachtem Pudding speiste, der blaue Lebensmittelfarbe enthielt. ‘Shmily’ war nach einer heißen Dusche auf dem beschlagenen Spiegel zu finden, wo es nach jedem Bad wieder auftauchte. Einmal wickelte meine Großmutter sogar eine ganze Klopapierrolle ab, um ‘Shmily’ dann auf das letzte Blatt zu setzen.
Es gab keinen Ort, an dem ‘Shmily’ nicht auftauchte. Kleine Notizzettel, auf die eilig ‘Shmily’ gekritzelt worden war, lagen auf Armaturenbrett und Autositzen oder klebten am Lenkrad. Sie steckten in Schuhen oder wurden unter Kissen versteckt. ‘Shmily’ stand im Staub auf dem Kaminsims oder wurde mit einem Stock in die Asche im Kamin geschrieben. Dieses geheimnisvolle Wort gehörte ebenso wie die Einrichtung zum Haus meiner Großeltern.
Ich brauchte lange Zeit, bis ich am Spiel meiner Großeltern wirklich Freude haben konnte. Skepsis hatte mich nicht an wahre Liebe glauben lassen – an reine dauerhafte Liebe. Wie dem auch sei, ich zweifelte nie an der Beziehung meiner Großeltern. Ihre Liebe war tief. Sie bestand nicht nur aus amüsanten kleinen Spielen, sie war eine Art zu leben. Ihre Beziehung basierte auf Hingabe und leidenschaftlichem Gefühl – nicht jedermann kann sich glücklich schätzen, so etwas zu erleben.
Großmutter und Großvater hielten bei jeder Gelegenheit Händchen. Wenn sie in ihrer kleinen Küche aufeinander trafen, konnten sie nicht ohne einen Kuss weiter ihrer Wege gehen. Der eine beendete den Satz des anderen, und sie lösten die täglichen Kreuzworträtsel zusammen. Meine Großmutter flüsterte mir zu, wie süß mein Großvater und was für ein schöner alter Mann er doch geworden sei. Sie behauptete, dass sie ‘ihn wirklich zu nehmen’ wisse. Vor jeder Mahlzeit senkten sie die Köpfe und bedankten sich, wobei sie den wunderbaren Segens gedachten, der ihnen zuteil geworden war: ihre Familie, ihr Glück und beider Zusammensein.
Doch es schwebte eine unheilvolle Wolke über dem Leben meiner Großeltern: Meine Großmutter hatte Brustkrebs. Die Krankheit war zum ersten Mal vor zehn Jahren ausgebrochen. Wie immer hat Großvater sie jeden Schritt des Weges begleitet. Er tröstete sie in ihrem gelben Raum, der für beide extra in dieser Farbe gestrichen wurde, damit sie immer von der Sonne umgeben war, auch wenn sie zu krank war, um das Haus zu verlassen.
Nun wurde ihr Körper erneut vom Krebs angegriffen. Mithilfe eines Stockes und der Stütze meines Großvaters gingen sie weiterhin jeden Morgen zur Kirche. Doch meine Großmutter wurde immer schwächer, bis sie schließlich das Haus nicht mehr verlassen konnte. Für eine Weile musste Großvater allein zur Kirche gehen, er bat Gott, über seine Frau zu wachen. Dann trat eines Tages schließlich das ein, was wir alle gefürchtet hatten: Großmutter starb.
‘Shmily’ war in gelber Schrift auf die rosa Schleifen der Blumen aus Großmutters Sarg gekritzelt. Als die Menge sich lichtete und sich die letzten Trauergäste zum Gehen wandten, traten meine Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen und die anderen Familienmitglieder vor und versammelten sich zum letzten Mal um Großmutter. Großvater trat an Großmutters Sarg, atmete einmal tief und bewegt ein und begann dann, für sie zu singen. Sein Lied kam zwischen Tränen und Trauer hervor, ein tiefer und mit kehliger Stimme vorgetragener Kinderreim.
Von meinem eigenen Leid geschüttelt, werde ich diesen Augenblick nie vergessen. Damals verstand ich, dass ich das Glück gehabt hatte – obwohl ich die Tiefe ihrer Liebe zu jenem Zeitpunkt noch nicht begreifen konnte – , ihre unübertroffene Schönheit mit anzusehen.
S – h – m – i – l – y: See how much I love you.
Großmutter und Großvater, danke schön, dass ihr mir das gezeigt habt.
Ich finde diese Geschichte sooo schön, daß ich genau dieses Wort in Zukunft auch meinem Liebsten öfters zustecken/schreiben werde. Und wenn ich die Gelegenheit habe, schreibe ich es ihm ebendfalls in den Zucker… an die Fensterscheibe… an den Spiegel…