…vor 1 Jahr kam der Anruf den ich NIEMALS bekommen wollte!!
Heute vor 1 Jahr, war ich mit meiner besten Freundin unterwegs. Ich mußte zum Amt. Weil ich keine Anrufe in dieser Zeit haben wollte, ließ ich mein Handy im Auto. Als ich wiederkam, hatte ich 15 Anrufe in Abwesenheit. Ich dachte noch: Was zum Teufel soll das? 15 Anrufe… gut das ich das Handy im Auto gelassen habe.
Ich rief die Nummer zurück… hätte ich es mal nicht getan. Am anderen Ende der Leitung war meine Mutter die mir unter Tränen sagte, daß mein Papa gestorben ist.
Ich konnte nichts sagen… wollte es nicht glauben. Papa tot??? Das kann nicht sein. Sie verarscht mich… Als ich meine Stimme wiederfand, fragte ich sie ob das ihr Ernst sei. Sie soll mich nicht verarschen und keinen Blödsinn erzählen. Papa ging es doch gut. Er hatte die OP gut überstanden, das hatte sie mir selbst gesagt. Also soll sie jetzt nicht so einen Blödsinn sagen. Aber es war kein Blödsinn. Ich merkte wie sie nicht mehr aufhören konnte zu weinen und auch mir traten die Tränen in den Augen.
Meine Freundin schaute mich an und fuhr rechts ran. Sie fragte was los sei und ich ließ meinen Tränen freien lauf. Papa ist tot!!! Der Mann den ich so geliebt habe, der immer für mich da war und der immer ein Fels in der Brandung war, ist tot. Einfach so… ohne Vorankündigung. Ich konnte nichts sagen, bekam keinen vernünftigen Satz raus. Ich stammelte immer wieder ungläubig: Papa ist tot… Papa ist tot…
Auch sie konnte es nicht glauben und war fassungslos. So saßen wir lange im Auto und weinten beide. Wir konnten es nicht fassen. Wie kann das sein, das jemand ins Krankenhaus geht und dann stirbt, obwohl er die OP gut überstanden hatte??? Das durfte nicht sein. Papa war immer so groß und stark gewesen. Der stirbt nicht einfach. Der durfte nicht einfach sterben!!!
Irgendwann schluckte ich meine Tränen runter, holte tief Luft und mein Kopf fing an zu arbeiten. Reiß dich zusammen ermahnte ich mich. Du mußt jetzt stark sein, denk an die Rasselbande!!
So griff ich zu meinem Handy und fing an zu telefonieren. Ich rief alle an die mir einfielen und erzählte ihnen das mein Papa gestorben ist. Ich erklärte ihnen das ich noch nichts genaues wußte und versprach später nochmal anzurufen. Dann sind wir nach Hause gefahren. Wie sollte ich es der Rasselbande sagen??? Ich fuhr mit ihr zur Schule und holte die große und den frechen aus der Klasse. Kurz und knapp erklärte ich den Lehrern was passiert sei. Danach bin ich zum Kiga und holte die wilde ab. Wieder erklärte ich den Erziehern und der Leiterin, was passiert ist.
Zu Hause saß der Mann meiner besten Freundin und nahm mich in den Arm. Er sagte mir das meine Mama schon hier war, bevor sie mich angerufen hatte. Sie ist jetzt auf dem Weg zum Krankenhaus. Die Rasselbande fragte immer wieder ob es stimmte das Opa tot ist. Ich nickte mit dem Kopf, schluckte meine Tränen runter und sagte mit fester Stimme: “Opa ist jetzt ein Engel im Himmel.” Der Stich in meinem Herzen nahm mir fast die Luft und wenn der Mann meiner Freundin mich nicht festgehalten hätte, wäre ich wahrscheinlich umgekippt.
Ich griff zum Telefon und versuchte meinen Noch-Mann zu erreichen. Ich bekam ihn nicht an die Strippe und rief dann eine andere Freundin an. Mit kurzen Sätzen erklärte ich ihr was passiert sei und bat sie ihren Mann zu meinem Noch-Mann zu schicken damit er bescheid wußte.
Danach fuhr ich zu meinem Noch-Mann, und wurde schon von dem Mann meiner anderen Freundin empfangen. Wieder eine Umarmung und beruhigende Worte die ich nur schemenhaft warnahm. Wieder Tränen und fassungslosigkeit. Ich stopfte meine Gefühle ganz tief in eine Truhe und schloß diese ganz unten in mir ein. Ich wollte nicht weinen… ich mußte jetzt stark sein.
So erklärte ich nochmal was ich bis jetzt wußte, und sagte das ich ins Krankenhaus fahren wollte. Mein Noch-Mann bot an mit mir zu fahren und somit saßen wir beide einige Minuten später im Auto und fuhren in richtiung Krankenhaus. Ich weiß nicht mehr wie die Fahrt war… nur noch das ich immer wieder mich ermahnte nicht zu weinen. Ich mußte stark bleiben!!!
Im Krankenhaus angekommnen sah ich dann meine Mutter. Weiß wie eine Wand… rote Augen und sehr klein. Ich nahm sie in den Arm und tröstete sie. Ich beruhigte sie und hielt sie fest. Es war der Horror…
Äußerlich war ich stark – innerlich aber am Boden zerstört. Dann sind wir in einen Raum (mir fällt der Name nicht mehr ein) und da lag er…
Das sollte mein Papa sein??? Ich konnte es nicht glauben… die Haare ganz kurz geschoren (er hatte sonst lange weiche Haare) und der Voll-Bart war ab. Er lag da, als ob er schlafen würde. Ich betete zu Gott, das er die Augen wieder aufmacht und mich mit einem: “Hi Liebes, was stehst du hier so angewurzelt rum? Hast nen kaffe mitgebracht? Das Zeug hier im Krankenhaus kann man nicht trinken…” begrüßte. Aber nichts passierte. Er schlief weiter und ich begriff langsam das er wirklich weg war.
Ich stand vor ihm und schaute ihn an. Ich redete in Gedanken mit ihm. Sagte ihm, daß ich ihn Liebe und versprach ihm, daß ich die Scheidung diesmal durchziehen würde und nicht mehr zu meinem Noch-Mann zurück gehen werde.
Danach bin ich raus und atmete tief durch. Ich spürte nichts… nur Leere in mir. Ich nahm war, das alle weinten aber ich nicht. Ich nahm auch war, daß mein Noch-Mann mich versuchte zu trösten und sich Sorgen um mich machte. Aber ich hatte meine Gefühle gut weggeschlossen.
Ich kümmerte mich um meine Mutter, besprach mit ihr die nächsten Schritte. Danach sind wir auf den Parkplatz des Krankenhauses gegangen und ich verabschiedete mich von ihr. Mein Noch-Mann und ich blieben noch etwas auf dem Parkplatz stehen. Ich wollte nicht weg… wollte meinen Papa nicht alleine lassen.
Wie versteinert sagte ich meinem Noch-Mann, daß ich eine Zigarette brauche. Er schaute mich ungläubig an… Eine Zigarette? Ich war Nicht Raucher. Ich nickte und er holte mir eine Schachtel.
Ich lehnte mich ans Auto… zündete sie an… nahm einen tiefen Zug und sagte: “So Papa, die ist für dich! Denn saufen will ich nicht. An einen guten F*ck komm ich gerade schlecht ran… aber Rauchen das kann ich noch.”
Danach bin ich wieder nach Hause gefahren und kümmerte mich um die Rasselbande. Ich funktinierte… the Show must go on. Ich organiesierte, tröstete und blieb stark.
In dieser Zeit, war oft mein Noch-Mann bei mir. Er machte sich Sorgen um mich. Er wollte für mich da sein. Aber ich wollte vor ihm keine Schwäche zeigen. Wie gesagt, hatte ich meine Gefühle gut weggeschlossen. Er konnte es nicht vestehen, bezeichnete mich als Eisblock dem es egal war das mein Papa gestorben ist. Ich ignorierte ihn… wußte das es nicht so war. Ich funktionierte.
Die erste Zeit was schlimm. Immer wenn ich raus ging, kamen Leute die mir Beileid wünschten. Mein Papa war sehr beliebt und ich wußte gar nicht wie viele Menschen ihn kannten. Irgendwann bin ich nicht mehr vor die Tür gegangen, weil ich die Leute nicht mehr ertragen konnte. Ich wollte nicht mehr über Papa sprechen und erklären, was passiert ist. Ich wußte es ja selbst nicht genau.
Nach einigen Monaten bekamen wir einen Brief vom Krankenhaus. Darin stand, daß es bei der OP keine Komplikationen gab. Er hatte sie gut überstanden. Das wußte ich auch schon vorher…
Was mein Papa umbrachte, waren 7 Herzinfakte! 6 Stück hatte er überlebt. Er hatte sich gewehrt und gekämpft. Für den 7. hatte er keine Kraft mehr.
Mein Papa war ein Kämpfer, aber im Himmel wurde ein Engel gebraucht und ich sag euch: Er ist der beste Engel den Gott zu sich rufen konnte – auch wenn ich der Meinung bin, daß er diesen Engel besser hier auf der Erde lassen konnte.
Er fehlt mir sehr. Manchmal versteh ich immer noch nicht, warum? Aber es wird mit der Zeit leichter. Ich denke nicht mehr jeden Tag an ihn. Er ist in meinem Herzen und ich weiß, daß er vom Himmel aus auf mich und die Rasselbande aufpasst.
